nach oben Ethologisches Glossar Verhaltensbegriff Grooming Instinkthandlung I Instinkthandlung II SR u. AAM Attrappenversuche Handlungskette Handlungsbereitschaft Dopp. Quantifizierung Konfliktverhalten Angeboren o. erlernt? Bau des Neurons Reflexe Klass. Konditionierung Operante Konditionierung

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Verhaltensbiologisches Glossar

AAM Wenn Tiere auf bestimmte Reizkonstellationen reagieren, auf andere aber nicht, dann muss das Nervensystem die Meldungen der Sinneszellen entsprechend analysieren und dann zur Wirkung kommen lassen. Ein solches analysierendes Teilsystem des Zentralnervensystems, das die auslösende Reizkombination von den übrigen unterscheidet, bezeichnet man als angeborener Auslösemechanismus (AAM). [ zurück]
AM Auslösemechanismus [ zurück]
Antrieb "Die Bereitschaft eines Tieres zur Ausführung einer bestimmten Handlung. Sie wird von einer Vielzahl von Faktoren, äußeren, wie inneren bestimmt." Handlungsbereitschaft, Bereitschaft, innerer Antrieb, Motivation, Trieb, Drang sind synonyme Begriffe dafür. [ zurück]
Appetenzverhalten Bezeichnung für eine Verhaltensweise, die in Gang gesetzt und aufrechterhalten wird, bis das Tier die Reize antrifft, welche die Endhandlung auslösen. Man unterscheidet hierbei zwei Phasen:
1. ungerichtete Suche: Das Tier begibt sich auf die Suche nach einer
auslösenden Reizsituation. Die Begegnung mit dem Reiz wird dadurch wahrscheinlicher. Es ist eine relativ variable Phase, die durch einen hohen Antrieb ausgelöst wird.
2. gezielte Annäherung: Das Tier hat den Reiz, welches diese Handlung auslöst, bereits gefunden und nähert sich diesem nun gezielt. Es handelt sich hierbei um eine relativ variable Phase, in der das Auftreten einer Handlungskette und somit auch meist mehrerer Instinkthandlungen sehr wahrscheinlich ist.
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Attrappe Merkmalsarme Nachbildung eines Tieres, eines Teiles davon oder einer Verhaltensweise, welche ein Verhalten auslöst; Attrappen lassen sich sehr einfach in Aussehen, Größe, Farbe oder anderen Merkmalen gegenüber dem natürlichen Objekt variieren, so dass über entsprechende Versuchsreihen die Elemente der Schlüsselreizkombination einzeln analysiert werden können. Ebenso kann auf die Wirksamkeit der Einzelreize für die Reaktionsstärke geschlossen werden. [ zurück]
Auslöser sind Schlüsselreize, die ausschließlich der Verständigung zwischen Artgenossen dienen. [ zurück]
EAAM durch Erfahrung ergänzter angeborener Auslösemechanismus [zurück]
EAM erworbener Auslösemechanismus [ zurück]
Effektor „Sammelbezeichnung für Muskel- und Drüsenzellen, sowie für Farbzellen, die von Nerven gesteuert werden." [ zurück]
Endhandlung Meist eine Erbkoordination, die am Ende einer Folge von Appetenzhandlungen auftritt, z.B. Bewegungen der Nahrungsaufnahme oder der Ablauf der Begattungsbewegungen. Sie sind in ihrem Ablauf relativ starr und wirken aufgrund der aktionsspezifischen Ermüdung antriebssenkend. [ zurück]
Erbkoordination Bewegungen, die durch Außenreize ausgelöst und in ihrer Intensität und Orientierung beeinflusst werden können, jedoch in ihrem Ablauf, d.h. in ihrer Bewegungsart von Außenreizen unabhängig und artspezifisch festgelegt sind, was auf die Beteiligung einer erblichen Programmierung hinweist, s. a. Instinkthandlung, Orientierungsbewegung. [ zurück]
reizspezifische Ermüdung, s. a. Gewöhnung ist die abnehmende Auslösbarkeit einer Handlung, die durch Gewöhnung –also aufgrund ihrer „Vorgeschichte" eintritt. [ zurück]
aktionsspezifische Ermüdung Aufgrund gerade abgelaufener Verhaltensweisen sind dieselben danach eine zeitlang nicht mehr oder nur noch durch sehr starke Reize auszulösen. [ zurück]
körperliche Ermüdung tritt aufgrund von Überanstrengung auf. [ zurück]
Ethogramm „Verhaltensinventar, Aktionskatalog: Eine möglichst genaue und detaillierte Bestandsaufnahme aller bei der betreffenden Art vorkommenden Verhaltensweisen. Die Erstellung eines Ethogramms ist Grundlage und Voraussetzung für die Planung und Durchführung jeder experimentellen Untersuchung und für die Deutung ihrer Ergebnisse." [ zurück]
Ethologie „Verhaltensbiologie: Studium tierlichen Verhaltens mit den Methoden der Biologie. Die Ethologie untersucht die Struktur des Verhaltens, d.h. den Ablauf der Bewegungsweisen, seine unmittelbaren Ursachen, seine Funktion, d.h. seine biologische Bedeutung, seine Individualentwicklung (Ontogenese) und seine stammesgeschichtliche Entwicklung (Phylogenese)." [ zurück]
Extinktion Klassische Kond.: Der erlernte Reiz wird wieder zum neutralen Reiz, wenn er wiederholt ohne den ursprünglich auslösenden Reiz geboten wird (auch Auslöschung, Tilgung genannt).
Operante Kond.: Das Erlernte wird wieder verlernt, wenn wiederholt die Belohnung auf die Handlung ausbleibt: Hierbei handelt es sich um einen aktiven Vergessensprozess im Unterschied zum passiven Vergessen, z. B. Vergessen einen Brief abzuschicken. [ zurück]
Doppelte Quantifizierung Das Zusammenspiel der beiden Faktoren Handlungsbereitschaft bzw. Antrieb und Schlüsselreiz bezeichnet man als doppelte Quantifizierung der Intensität einer Instinkthandlung. Sie ist z. B. dann gegeben, wenn die gleiche Stärke einer Reaktion entweder bei stark auslösendem Reiz und schwachem Antrieb oder bei schwach auslösendem Reiz und starkem Antrieb auftritt. [ zurück]
Gewöhnung (Habituation), s.a. reizspezifische Ermüdung „Die Fähigkeit eines Tieres, sich an wiederholt auftretende Reize, die weder mit positiven noch mit negativen Folgen verbunden sind, zu gewöhnen und nicht mehr auf sie zu reagieren." Die Gewöhnung ist daran zu erkennen, dass eine Reaktion, die durch einen bestimmten, schon mehrfach gebotenen Reiz nicht mehr oder nur noch schwach ausgelöst wird, durch einen anderen Reiz hingegen aber sofort wieder voll hervorgerufen wird. Es handelt sich bei der Gewöhnung um Lernen, ein reaktionsauslösender Reiz wird zum neutralen Reiz, vgl. a. klassische Konditionierung. [ zurück]
Koinzidenzelement Das Koinzidenzelement bekommt die Informationen von Antrieb (z.B. Hunger, Durst) und Rezeptor und verrechnet sie miteinander. Ist das Ergebnis groß genug, wird es zum Effektor weitergeleitet und es kommt zur Instinkthandlung, s. a doppelte Quantifizierung. [ zurück]
Handlungskette Dies ist eine Folge von Handlungen, in der durch ein Verhalten (Instinkthandlung) jeweils die Reizsituation entsteht, die die nachfolgende Handlung auslöst. Bleibt ein Reiz aus, so wird die Kette unterbrochen. [ zurück]
Instinkthandlung Orientierungsbewegung + Erbkoordination (angeborenes, erblich festgelegtes Verhalten) [ zurück]
Kasper – Hauser – Versuche sind spezielle Verfahren der Aufzucht von Jungtieren, bei denen die Tiere isoliert von Artgenossen gehalten werden, um angeborene Verhaltensmuster zu erforschen. [ zurück]
Klassische Konditionierung Hierbei kommt es zur Ausbildung einer automatisierten Assoziation, wenn auf einen bestimmten neutralen Reiz (z.B. das Aufleuchten einer Lampe) ein unbedingter Reiz (Futter) folgt. 
Hier lernt das Tier passiv, den Signalreiz mit einem nachfolgenden Ereignis zu verbinden.
Ein bisher neutraler Reiz wird zu einem reaktionsauslösenden Reiz.
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Operante Konditionierung Bei der operanten Konditionierung lernt das Tier aktiv eine neue Bewegung anzuwenden: Es wird eine Bewegung mit der Verminderung eines Bedürfnisses (z.B. das Stillen von Hunger) in Verbindung gebracht, indem diese Bewegung zunächst spontan auftritt, worauf mehrfach eine Belohnung folgt. [ zurück]
Kontiguität Enge Beziehung zwischen dem unbedingten und zunächst neutralen Reiz. Der neutrale und der unbedingte Reiz werden gleichzeitig oder unmittelbar hintereinander geboten, s.a. klassische. Konditionierung.* [ zurück]
Kumulativschreiber Gerät, mit dem die Hebeldruckraten in der Skinnerbox automatisch registriert werden. [ zurück]
Leerlaufhandlung Das spontane Auftreten einer normalerweise durch Außenreize hervorgerufenen Handlung in Abwesenheit dieser Reize.  [ zurück]
Lernen Unter Lernen versteht man die Änderung von Verhalten aufgrund gemachter Erfahrungen. „Werden lernfähige Organismen einmalig oder wiederholt mit einer neuen Reizsituation konfrontiert und bleiben diese Verhaltensänderungen bestehen, so bezeichnet man dies als Lernen".* [ zurück]
Lernen durch Nachahmung Kognitive Lernart; Übernahme beobachteter Bewegungen oder Lautäußerungen in das eigene Repertoire .  [ zurück]
motivierende Reize „Ein Reiz, der keine äußerlich erkennbare Reaktion hervorruft, z.B. keine Verhaltensweisen auslöst, der aber die innere Stimmungslage (inneren Antrieb) des Tieres ändert und dadurch die Auslösbarkeit einer Verhaltensweise durch andere Reize beeinflussen, d. h. deren Schwelle verändern kann." [ zurück]
Orientierungsbewegung Bewegungen, die von Außenreizen in ihrer Bewegungsart beeinflusst werden, s. a. Instinkthandlung, Erbkoordination. [ zurück]
jahresperiodische  Vorgänge bedingen Hormonausschüttung, die wiederum zu Verhaltensänderungen führen. „Der jahreszeitliche Wechsel von Verhalten und in verschiedenen Körperfunktionen (z.B. bei der Fortpflanzung, Haar- und Fellwechsel, Winterschlaf)." [ zurück]
tagesperiodische  Vorgänge vergleiche mit jahresperiodische Vorgänge, nur in kürzeren Abständen (z.B. Schlaf-Wach-Rhythmus) [ zurück]
physiologischer Zustand Körperlicher Zustand eines Tieres, der die Antriebsstärke beeinflusst. Man kann z.B. zwischen Zustand des Hormonspiegels und dem Versorgungszustand unterscheiden. [ zurück]
Reflex Die mit Sicherheit und ohne Verzögerung eintretende Antwort eines Erfolgsorgans auf einen Sinnesreiz. Reflexe zeichnen sich durch eine besonders starre Reiz – Reaktions – Beziehung aus. [ zurück]
Reifung „Die Vervollkommnung einer Verhaltensweise ohne Übung. Eine Handlung reift, wenn sie sich im Laufe der Ontogenese auch dann bis zur vollen Funktionstüchtigkeit verbessert, wenn keine Gelegenheit besteht, sie auszuführen, also zu „üben". Reifung beruht auf Entwicklungsprozessen im Zentralnervensystem. Sie ist ein Vorgang der Entwicklung von bereits im Erbgut festgelegter Information." 
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neutraler Reiz Reiz, der keine Reaktion auslöst, s. a. klassische Konditionierung, Gewöhnung. [ zurück]
bedingter Reiz zuvor neutraler Reiz, der durch klassische Konditionierung zu einem reaktionsauslösender Reiz wurde, indem er in Verbindung mit einem unbedingten Reiz mehrmals wiederholt wird und anschließend ohne diesen Reiz eine Reaktion auslöst. [ zurück]
unbedingter Reiz Schlüsselreiz, s. a. klassische Konditionierung [ zurück]
Rezeptor „Sinneszelle. Eine Zelle, die Vorgänge innerhalb und außerhalb des Körpers registriert." Der Rezeptor nimmt also Reize (z.B. Geruchsstoffe oder Laute) auf und leitet sie an die elektrischen Impulse im eigenen Körper weiter. [ zurück]
Schlüsselreiz Ein Reiz, der ein bestimmtes Verhalten auslöst, s. a. AAM, Auslöser. [ zurück]
Skinnerbox Der amerikanische Psychologe B. F. Skinner konstruierte spezielle „Lernapparaturen", um operante Konditionierungen genauer zu analysieren. Die nach ihm benannten Skinnerboxen sind so gebaut, dass die Versuchstiere in ihnen einen Hebel niederdrücken, einen Stab auslenken oder gegen eine Scheibe picken müssen, um mit einem Pellet (Futterkügelchen) belohnt zu werden.* [ zurück]
Sonagramm bildliche Darstellung von Lautäußerungen in Form eines Koordinatensystems [ zurück]
Verhalten im engeren Sinne Bewegungen, Körperhaltungen, Lautäußerungen sowie äußerlich erkennbare Veränderungen z.B. Duftabsonderungen oder Farbveränderungen, wenn sie der gegenseitigen Verständigung dienen. [ zurück]
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bulletWörterbuch der Verhaltensforschung von Klaus Immelmann; erschienen: 1982
bulletBiologie „Verhaltensbiologie: Methoden, Mechanismen und Ursachen"
Mentor Abiturhilfe *;
bulletEncarta Enzyclopädie Plus 2000 #

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Katharina Neiss und Theresa De Sousa, 2001, M. W.