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Der  Wolf
Kakerlak

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Michael Weber

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Was versteht man unter Verhalten?

Unser Thema der Stunde vom 05.09.2000 ist die Begriffsbestimmung von Verhalten. Es gibt ein paar Erklärungsversuche, was man unter Verhalten versteht. Nämlich das Aktivwerden gegenüber der Umgebung. Es wird auch diskutiert, dass Verhalten auch unbewusstes Handeln sein kann, z. B. das Verhalten beim Schlaf oder beim Zähneknirschen. Verhalten kann sowohl instinktiv, als auch angelernt sein.

Daraufhin stellt sich die Frage: Was ist eigentlich alles Verhalten?
Anhand eines Beispiels  werden die Verhaltensweisen des Wolfes bestimmt. (Siehe Arbeitsblatt „ Der Wolf") Die Diskussion des Textes führt zu folgender Definition des Begriffs "Verhalten": Bewegungen, Körperhaltungen, Lautäußerungen, sowie äußerliche erkennbare Veränderungen (z.B. Duftabsonderungen oder Verfärbung oder Farbveränderungen, wenn sie der gegenseitigen Verständigung dienen).
Wie auch Klaus Immelmann ( Einführung in die Verhaltensforschung , 1976 ) das Verhalten ähnlich erläutert: ,,In der Regel wird das Wort Verhalten in der Ethologie ( Verhaltensforschung) in einem breiten Sinne angewandt. Es bezieht sich auf die Bewegungen, Lautäußerungen und Körperhaltungen eines Tieres, ferner auf diejenigen äußerlich erkennbaren Veränderungen, die der gegenseitigen Verständigung dienen und damit beim jeweiligen Partner ihrerseits Verhaltensweisen auslösen können (z.B. Farbveränderungen oder Absonderungen von Duftstoffen). Verhalten ist daher keineswegs mit Bewegung gleichzusetzen."
Die Verhaltensforschung (Ethologie) untersucht das beobachtbare Verhalten von Tier und Mensch. Sie beobachtet u. a. unveränderliche Bewegungsfolgen und vergleicht sie mit denen verwandter Arten.

bulletEinteilung von Verhalten in  Funktionskreise

- Fortpflanzungsverhalten: Sexualverhalten; Brutpflegeverhalten

- Agonistisches Verhalten: aggressives Verhalten; Fluchtverhalten

- Nahrungsverhalten

- Sozialverhalten

- Gruppenverhalten

- Komfortverhalten: Säuberungsverhalten

Diese Funktionskreise werden anhand des Arbeitsblattes „Wölfe“ auf das jeweilige Verhalten bezogen angegeben.

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Autoren: Kaiser S., Florian L.; z. Teil geändert von M.W.

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Beschreibung tierlichen Verhaltens

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VERGLEICH ZWEIER TEXTE ÜBER DEN EICHELHÄHER

Es liegen Ihnen zwei Texte aus zoologischen Werken vor, die beide den Eichelhäher beschreiben.
1. Wodurch unterscheiden sich die beiden Texte in stilistischer Hinsicht? Geben Sie bitte Beispiele an !
2. Welche Einstellung gegenüber Tieren steht hinter beiden Berichten?

TEXT 1:

DER EICHELHÄHER

Er ist ein unruhiger, lebhafter, listiger, ja äußerst verschlagener Vogel, der durch sein Treiben viel Vergnügen, aber auch viel Ärger bereitet. Zu seiner Belustigung und Unterhaltung nimmt er die mannigfaltigsten Stellungen an, ahmt auch die verschiedensten Stimmen in vortrefflicher Weise nach. Er ist höchst gewandt im Gezweige, ebenso ziemlich geschickt auf dem Boden, aber ein ungeschickter Flieger, daher überaus ängstlich, auf weithin freie Strecken zu überfliegen...
Leider besitzt der Häher ...Eigenschaften, wodurch er sich die ... Gunst des Menschen ... verscherzt. Er ist Allesfresser im ausgedehntesten Sinne des Wortes und der abscheulichste Nestzerstörer, den unsere Wälder aufzuweisen haben...
LENZ hält ihn für den Hauptvertilger der Kreuzotter und beschreibt in ausführlicher Weise, wie er jungen Kreuzottern, so oft er ihrer habhaft werden kann, ohne Umstände den Kopf spaltet und sie dann mit großem Behagen frißt, wie er sogar die erwachsenen überwältigt,..., indem er den Kopf des Giftwurms so sicher mit Schnabelhieben bearbeitet, daß dieser bald das Bewußtsein verliert und durch rasch aufeinander folgende Hiebe binnen weniger Minuten getötet wird. NAUMANNs Bruder fand einen Eichelhäher beschäftigt, eine alte Singdrossel, die Mutter einer zahlreichen Kinderschar, die sich, wie es schien, dieser zuliebe auf geopfert hatte, abzuwürgen...
TRINTHAMMER verdammt den Häher... : "Was treibt dieser fahrende Ritter", fragt er, "dieser verschmitzte Bursch, der schmucke Vertreter der Galgenvögelgesellschaft, die ganze Brutzeit hindurch? Von Baum zu Baumschweifend, ergattert er die Nester, säuft die Eier aus, verschlingt die nackten Jungen mit Haut und Haar und hascht und zerfleischt die ausgeflogenen Gelbschnäbel, die noch unbeholfen und ungewitzigt ihn zu nahe kommen lassen... Wo dieser Strauchmörder überhand nimmt, ist an ein Aufkommen der Brut nicht mehr zu denken."

Quelle; BREHMS TIERLEBEN 4. Band 3, Auflage, 1891, S. 453-456

TEXT 2:

Der Eichelhäher ahmt andere Vögel und Geräusche so unvermittelt t und täuschend nach, daß der gewiegteste Vogelkenner dann und wann darauf hereinfällt» Während der Fortpflanzungszeit wird der Eichelhäher schweigsam.
Die außerordentliche waldbauliche Bedeutung des Eichelhähers wird heute ... immer noch nicht recht gewürdigt. Während man in der
Sowjetunion den Eichelhäher als Forstnützling mit allen Mitteln hegt, wird er in Deutschland sinnlos und völlig "gesetzmäßig" verfolgt. Nur gut, daß sich der kluge Vogel nicht ausrotten läßt. Freilich holt er zuzeiten Eier und Nestlinge, verliert aber auch von seinem eigenen Nachwuchs so manches an die stärkeren Krähen, die der Mensch weitgehend von ihren natürlichen Feinden, dem Habicht, dem Wanderfalken, dem Uhu befreit hat. Im Nymphenburger Park in München brüten seit mindestens hundert Jahren ein bis zwei Paar Eichelhäher. Trotzdem halten sich dort die Singvögel in ziemlich großer Zahl.

 

Quelle: GRZIMEKS TIERLEBEN, Band 9, 1970, S. 488-489

Bearbeitung der Aufgaben:

Text 1:   - Verwendung von vielen Adjektiven  => Vergleich mit dem Menschen: „verschlagen“,
               „listig“, „lebhaft“;
             - negative Darstellung des Eichelhähers;
             - subjektive emotionale Darstellung;
Text 2:   - sachlich und objektiv.

 

Bei der Beschreibung tierlichen Verhaltens sind folgende Aspekte zu beachten:

- Verwendung von neutralen, objektiven – möglichst unbelasteten – Begriffen;
- sachlich schreiben;
- keine menschlichen Gefühle unterstellen, d. h. keine Anthropomorphismen.

 s. a. Textbeispiel "Der Kakerlak"

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