nach oben Ethologisches Glossar Verhaltensbegriff Grooming Instinkthandlung I Instinkthandlung II SR u. AAM Attrappenversuche Handlungskette Handlungsbereitschaft Dopp. Quantifizierung Konfliktverhalten Angeboren o. erlernt? Bau des Neurons Reflexe Klass. Konditionierung Operante Konditionierung

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                        R e f l e x e

Verhaltensweisen, die ein Lebewesen zum Überleben benötigt und die gleich beim ersten Mal ohne Fehler ablaufen müssen, sind im Genom (Gesamtheit des Erbmaterials) gespeichert. Man bezeichnet sie als angeboren, erbbedingt oder instinktiv.

Die einfachste Form finden wir im Reflex. Er läuft nach einem festen angeborenen Programm unter gleichen Bedingungen stets in gleicher, rascher und starrer Weise ab. Er kann durch bestimmte Reize (Schlüsselreize) jederzeit ausgelöst werden (Alles-oder-Nichts-Reaktion).

Typische, d.h. unbedingte Reflexe beim Menschen sind der Kniesehnen- und der Pupillenreflex.

 

Reizschema des Patellarsehnenreflexes (Kniescheibensehnenreflex)

Zeichnung: A. Kempe 2003
Durch einen Schlag auf die Patellarsehne (Kniescheibensehne) wird diese gedehnt und dadurch wird der Strecker (M. quadriceps) gereizt. Dieser Reiz wird von der Muskelspindel aufgenommen und über sensorische /afferente Fasern zum Rückenmark geleitet. Dort werden die Impulse (nervöse Erregungen) über die Hinterhörner des Rückenmarks zur Synapse weitergeleitet, wo sie dann über motorische/ efferente Fasern zurück zum Strecker gesendet werden. Am Ende der motorischen Fasern befinden sich motorische Endplatten; diese bewirken, dass der Strecker kontrahiert. Das Bein streckt sich. Gleichzeitig bewirkt eine hemmende Synapse, dass der Beuger/ Gegenspieler (Antagonist) nicht kontrahiert, sondern passiv gedehnt wird. Es handelt sich hier um einen monosynaptischen (eine Synapse) Eigenreflex (Rezeptor und Effektor liegen im selben Organ).

 

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Der Reflexbogen (schematisch):

 

Der Reflexbogen (s. o.)  besteht aus:
  1. Reizaufnahme durch Muskelspindel (Dehnungsrezeptor)
  2. Erregungsleitung zum Rückenmark bzw. ZNS
  3. Aufnahme im ZNS und Verarbeitung

  4. Erregungsleitung zum Muskel
  5. Motorische Endplatte (Erregungsübertragung Nervenfaser ---> Muskel)

  6. Muskelfaser (Ausführungsorgan, Effektor)


Abb.
: Rückenmark im Wirbelkanal

Die biologische Bedeutung von Muskeldehnungsreflexen liegt in der Stabilisierung von Körperhaltung und Gliederstellung gegen rasche Stöße z.B. beim Stolpern, beim plötzlichen Anhalten eines Fahrzeuges etc. Ein bekanntes Beispiel ist der in der ärztlichen Praxis zur  Prüfung der Funktionsfähigkeit des Rückenmarks untersuchte Kniesehnenreflex (mit einem Gummihammer).

 

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Rubby Quartey, Helen Lohs, 2000, M. W.