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Michael Weber

Die Eirollbewegung der Graugans

Rollt einer brütenden Graugans ein Ei aus dem Nest oder legt man es im Experiment außerhalb des Nestes ab, so rollt sie es mit einer typischen Bewegung ins Nest zurück (s. Abb. unten). Sie macht den Hals lang, greift mit dem Schnabel über das Ei hinweg und rollt es mit der Unterseite des Schnabels durch Krümmung des Halses zum Nest zurück. Damit ihr das Ei seitlich nicht entgleitet, führt sie neben dieser Rückrollbewegung des Halses auch seitliche Balancierbewegungen des Schnabels durch. Entfernt man das Ei gleich nach dem Anlaufen der Eirollbewegung, dann verhält sich die Gans trotzdem so, als würde sie das Ei weiter zum Nest rollen. Die seitlich-pendelnden Balancierbewegungen unterbleiben jedoch.


Abb.:
Graugänse  (Bild: M. Weber)


Abb.:
Eirollbewegung


Aufgaben:

bullet1. Erläutern Sie das beschriebene Verhalten mit den Begriffen „Instinkthandlung", „Erbkoordination" und „Orientierungsbewegung".
bullet2. Vergleichen Sie die Beutefanghandlung der Libellenlarve mit der Eirollbewegung der Graugans bzgl. des zeitlichen Einsatzes der beiden Komponenten einer Instinkthandlung!
bullet3. Stellen Sie das beschriebene Verhalten in einem Funktionsschaltbild dar!

Bearbeitung der Aufgaben

bullet Aufg.1: Das Langmachen des Halses, das Greifen mit dem Schnabel über das Ei hinweg und das Rollen des Eies mit der Unterseite des Schnabels sind erblich festgelegte Verhaltensweisen (Erbkoordination) und werden durch äußere Reize ausgelöst. Sie sind in ihrem Ablauf von Außenreizen nicht zu beeinflussen. Das erkennt man daran, dass diese Bewegungen auch dann stattfinden, wenn man der Graugans das Ei sofort nach dem Anlaufen der Eirollbewegung wegnimmt.
bullet Aufg.2: Bei den seitlich - pendelnden Balancierbewegungen handelt es sich um eine Orientierungsbewegung. Diese Bewegungen hängen von Außenreizen ab, weil sie sich in ihrem Ablauf durch diese beeinflussen lassen. Diese beiden Komponenten, Orientierungsbewegung und Erbkoordination, ergeben nun die Instinkthandlung, die ein angeborenes, erblich festgelegtes Verhalten ist. Bei der Libellenlarve erfolgt die Orientierungsbewegung (hier: Annähern und Kopf drehen) zuerst. Anschließend erfolgt das erbkoordinierte Verhalten. Die beiden Komponenten der Instinkthandlung erfolgen hier also nacheinander. Bei der Graugans dagegen werden die seitlich - pendelnde Balancierbewegungen (Orientierungsbewegung) zeitgleich mit den anderen Bewegungen der Erbkoordination ausgeführt.
bullet Aufg.3: Funktionsschaltbild

 

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Charakterisierung: Instinkthandlung:

bullet  Orientierungsbewegung:

• läuft nur in Anwesenheit von Außenreizen ab;
• variable, situationsabhängige Phase;
• tritt sowohl vor der Erbkoordination als auch gleichzeitig zu ihr auf;
•dient der Einstellung des Tieres zum Reiz.

bullet Erbkoordination:

• läuft -einmal ausgelöst- auch ohne Außenreize ab; (nach Konrad Lorenz: Folge von Bewegungen, deren Koordination vom ZNS ohne Mitwirkung von Rezeptoren gesteuert wird);
• formkonstante Phase;
• erblich festgelegt; artspezifisch.

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Helen und Theresa