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Aufgabe 
(Quelle: Daumer K., Hainz, R.  1984:Verhaltensbiologie München) 

Guppys gehören zu den leicht züchtbaren lebend gebärenden Zahnkarpfen. Bei den ca. 3 cm langen männlichen Guppys spiegelt sich verschiedene Balzbereitschaft in verschiedenen Färbungsmustern. Verschiedene Intensität des Balzverhaltens äußert sich darin, dass das Männchen mehr oder weniger häufig dem Weibchen nachfolgt, bzw. vor dem Weibchen den Schwanz krümmt. Ausgewachsene Weibchen sind ca. 5 cm lang.

Die Grafik zeigt das Ergebnis von Versuchen, bei denen das Verhalten verschieden stark balzmotivierter Männchen gegenüber verschieden großen Weibchen (2-4 cm) beobachtet wurde. Zeigte ein Männchen gegenüber einem Weibchen nacheinander beide Intensitätsstufen des Balzverhaltens, so wurde lediglich die intensivere Stufe notiert.

a) Entwickeln Sie einen Vorschlag, wie mittels eines Weibchens mittlerer Größe die Balzbereitschaft von Männchen mit verschiedenen Färbungsmustern indirekt gemessen worden sein könnte (Erklärung für die Anordnung der Färbungsmuster ABC auf der Abszisse).

b) Begründen Sie aus der Grafik, welches Färbungsmuster der Männchen niedere und welches hohe Balzbereitschaft ausdrückt.

c) Begründen Sie aus der Grafik, welche Verhaltensweise die höhere Stufe des Balzverhaltens darstellt.

d) Beschreiben Sie die dargestellten Befunde im Zusammenhang mit dem Konzept der doppelten Quantifizierung von Verhalten.

 

Lösungsvorschläge zur Guppy-Balz-Aufgabe 

 

Wie ist die Grafik zu verstehen?

Auf der y-Achse ist die Länge der Guppy-Weibchen in cm dargestellt.

Die x-Achse stellt die Stärke der Balzbereitschaft von Guppy-Männchen dar. Diese ist ausgedrückt durch drei verschiedene Färbungsmuster (A, B, & C).

Im Koordinatensystem finden sich zwei fast parallel verlaufende Kurven wieder. Die des Nachfolgens und des Schwanzkrümmens.

a)

Die Balzbereitschaft von Männchen mit verschiedenen Färbungsmustern könnte Bieten eines konstanten mittleren Reizes gemessen werden, d.h. es müsste jeweils ein Weibchen von 2 cm Länge in ein Aquarium mit einem Männchen gesetzt werden. Dabei ist das Verhalten der Männchen (jedes hat ein anderes Färbungsmuster) zu beobachten.

 

b)

Abgeleitet aus der Grafik kann festgestellt werden, dass:

  1. Färbungsmuster A eine niedere Balzbereitschaft ausdrückt.

Dies geht daraus hervor, dass der Guppy erst bei einem hohen Anreiz (eine langes Weibchen) Balzverhalten zeigt. Ist das Weibchen 3,5 cm lang, fängt der Guppy an ihr zu folgen. Um ein Schwanzkrümmen hervorzurufen, muss ein Weibchen jedoch 4 cm groß sein.

 

2. Färbungsmuster C eine hohe Balzbereitschaft ausdrückt.

Dies ist damit zu begründen, dass der Guppy das Balzverhalten schon bei Weibchen zeigt, die kürzer sind als diese, die Guppy A vorgeführt wurden. Guppy C reagiert beispielsweise schon bei einer Länge des Weibchens von 2cm mit Nachfolgen. Auch das Schwanzkrümmen tritt bei einer Länge des Weibchens von 3 cm bereits früher auf.

 

c)

Als höhere Stufe des Balzverhaltens ist das Schwanzkrümmen zu verstehen. Um ein Schwanzkrümmen auszulösen, ist ein im Verhältnis zum Nachfolgen größerer Reiz (längeres Weibchen) erforderlich, d.h. unabhängig von der Stärke des Balzbereitschaft jedes Guppys tritt Schwanzkrümmen durchschnittlich erst bei einem längeren Weibchen auf, als es bei Nachfolgen der Fall ist.

 

d)

In Zusammenhang mit der doppelten Quantifizierung von Verhalten ergibt sich aus der Darstellung folgendes Ergebnis der Guppy-Balz:

Das Verhalten des Guppy-Männchens hängt nicht nur von der Stärke der Balzbereitschaft ab, hinzu kommt auch als wichtiger Faktor die Stärke des gegebenen Reizes (Länge des Weibchens). Diese beiden Faktoren beeinflussen die Intensität der Instinkthandlung, hier also, ob es bei einem Nachfolgen bleibt, oder ob es zudem auch zu einem Schwanzkrümmen kommt.

 

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(Nikolai Dëus von Homeyer, 2000)