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Michael Weber

Doppelte Quantifizierung einer Instinkthandlung

 

Für die Intensität der Instinkthandlung  sind zwei Faktoren verantwortlich:

1.) Höhe der Handlungsbereitschaft
2.) Stärke des Schlüsselreizes

Das Zusammenspiel dieser beiden Faktoren bezeichnet man als doppelte Quantifizierung einer Instinkthandlung.

 

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Leerlaufhandlung

Quellentext: “Leerlaufhandlung” v. Konrad Lorenz (Beispiel einer Leerlaufhandlung vom Star)

„Die Leerlaufreaktion lässt sehr klare Schlüsse darüber zu, welche Teile einer Handlungsfolge instinktmäßig angeboren sind. Besonders wertvoll ist dies dann, wenn höher spezialisierte und längere, rein instinktmäßige Ketten von Handlungen leer ablaufen. So besaß ich einst einen jungaufgezogenen Star, der den gesamten Handlungsablauf der von einer Warte betriebenen Fliegenjagd als Leerlaufreaktion brachte, und zwar mit einer Menge von Einzelheiten, die auch ich bis dahin für zweckgerichtete Bewegungen und nicht für instinktmäßig gehalten hatte. Er flog auf den Kopf einer bestimmten Bronzestatue in unserem Wohnzimmer und musterte von diesem Sitze aus andauernd den „Himmel" nach fliegenden Insekten, obwohl an der Decke des Zimmers keine vorhanden waren. Plötzlich zeigte sein ganzes Verhalten, dass er eine fliegende Beute erblickt hatte. Er vollführte mit Augen und Kopf eine Bewegung, als verfolgte er ein dahinfliegendes Insekt mit seinen Blicken, seine Haltung straffte sich, er flog ab, schnappte zu, kehrte auf seine Warte zurück und vollführte die seitlich schlagenden Schleuderbewegungen mit dem Schnabel, mit denen sehr viele insektenfressende Vögel ihre Beute gegen die Unterlage, auf der sie gerade sitzen, totzuschlagen pflegen. Dann vollführte er mehrmals Schluckbewegungen, worauf sich sein knapp angelegtes Gefieder etwas lockerte und in vielen Fällen der Schüttelreflex eintrat, ganz, wie er nach einer wirklichen Sättigung einzutreten pflegt. Sein ganzes Verhalten ahmte so täuschend den seinen biologischen Sinn erfüllenden Ablauf nach, vor allem wirkte sein Benehmen, kurz ehe er abflog, so überzeugend, dass ich nicht nur einmal, sondern wiederholt auf einen Stuhl kletterte, um nachzusehen, ob mir nicht doch bisher irgendwelche kleinsten fliegenden Insekten entgangen wären. Es waren aber wirklich keine da. Besonders das Verfolgen eines in Wirklichkeit nicht vorhandenen beweglichen Zieles mit den Augen erinnerte zwingend an das Verhalten mancher auf optischem Gebiete halluzinierenden Geisteskranken und drängte mir die Frage auf, welche subjektiven Erscheinungen für den Vogel wohl mit der Leerlaufreaktion verbunden seien. Das Verhalten dieses Stars erbrachte den Beweis, dass die orientierte Bezugswendung nach der Fliege hin das einzige Appetenzverhalten ist, das in dieser Handlungsfolge eine Rolle spielt."

Konrad Lorenz: Über die Bildung des Instinktbegriffs. Die Naturwissenschaften 25 (1937). In: K. LORENZ: Über tierisches und menschliches Verhalten: Gesammelte Abhandlungen l. München: Piper 1965, S. 302

Begriffsbestimmung und Erklärung der Leerlaufhandlung :

Das spontane Auftreten einer normalerweise durch Außenreize hervorgerufene Handlung in Abwesenheit dieser Reize; Problem: Auslösende Reize sind eventuell für uns nicht erkennbar. 
Erklärung: Der Antriebsstärke ist so hoch, dass selbst bei einer Reizstärke von null die Handlung abläuft 

.Download Bio-Screensaver von Jochen H., 2000

 

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